Accesskeys

Indikatoren Bevölkerungsbewegungen: standardisierte Einbürgerungsquote

Kommentar

Rückläufige Einbürgerungsquoten

 

Im Zeitraum 2014 bis 2017 wurden schweizweit 158'826 Einbürgerungen im ordentlichen und erleichterten Verfahren vollzogen. Dies sind 16'464 Einbürgerungen mehr als im Zeitraum 2010 bis 2013, in welchem insgesamt 142'362 Einbürgerungen im ordentlichen und erleichterten Verfahren erfolgten. Seit 2015 ist die Zahl der Einbürgerungen schweizweit sprunghaft gestiegen.
Die standardisierte Einbürgerungsquote gibt den um unterschiedliche Aufenthaltsdauern der ausländischen Wohnbevölkerung (B- und C-Bewilligungen) bereinigten Anteil der eingebürgerten Personen an der ausländischen Wohnbevölkerung pro Jahr wieder. Die Quote zeigt auf, dass 16 der 26 Kantone im Zeitraum 2014 bis 2017 tiefere Einbürgerungsquoten als 2010 bis 2014 verzeichnen, bei drei weiteren Kantonen gibt es keine Veränderung. Der Kanton Obwalden erfährt mit -0.9 Prozentpunkte den stärksten Rückgang. In St.Gallen fällt der Rückgang mit -0.1 Prozentpunkten kleiner aus. In sieben Kantonen - Genf, Waadt, Neuenburg, Zug, Appenzell Innerrhoden, Aargau und Basel-Stadt - ist die standardisierte Einbürgerungsquote gestiegen.
Ungeachtet des im Zeitverlauf vorliegenden Rückgangs liegt die standardisierte Einbürgerungsquote des Kantons St.Gallen – wie auch bei den übrigen Ostschweizer Kantonen – zu beiden Zeitpunkten mit 1.7% bzw. 1.6% unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt von 2.1%.


Mögliche Gründe für die interkantonalen Unterschiede sind in der Aufnahmebereitschaft der Schweizer Wohnbevölkerung und ihrer Entscheidungsträger und der Einbürgerungsmotivation der ausländischen Bevölkerung zu suchen, wobei sich diese beiden Faktoren gegenseitig beeinflussen dürften.
Über die Gründe des Rückgangs der Einbürgerungen kann nur spekuliert werden. In einigen Kantonen wurden in den letzten Jahren die Bedingungen zur Erlangung des Bürgerrechts verschärft: So hat beispielsweise der Kanton St.Gallen mit seiner am 1. Januar 2011 in Vollzug getretenen Revision die Einbürgerung auf Niedergelassene (C-Bewilligung) beschränkt (besondere Einbürgerungen ausgenommen). Zusätzlich wurden die sprachlichen Anforderungen verschärft. Im Kanton Zürich verhält es sich mit dem Deutschkurs-Obligatorium ähnlich. Denkbar ist aber auch, dass sich das derzeitige politische Klima, welches geprägt ist von verschiedenen Initiativen rund um das Thema Ausländer (z.B. Minarettverbot, Ausschaffungsinitiative, Durchsetzungsinitiative), hemmend auf den Einbürgerungswillen der Ausländerinnen und Ausländer auswirkt.
Es wird sich zeigen, ob sich die Einbürgerungsquoten mit dem Inkrafttreten des revidierten Bürgerrechtsgesetzes am 1. Januar 2018, das unter anderem eine kürzere Wohnsitzrfrist und Einbürgerungen nur für Niedergelassene vorsieht, ändern werden.

Bedeutung des Indikators

Bedeutung des Indikators

Für in der Schweiz lebende Ausländerinnen und Ausländer stellt die Einbürgerung ein wichtiger Integrationsschritt dar. Wer eingebürgert ist, verfügt über alle staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten sowie politischen Partizipationsmöglichkeiten auf allen Staatsebenen. In der standardisierten Einbürgerungsquote widerspiegeln sich einerseits die Integrationsbereitschaft der ausländischen Bevölkerung, andererseits die unterschiedlich strengen Einbürgerungsvoraussetzungen der Kantone und Gemeinden.

Berechnung des Indikators

Berechnung des Indikators

Die hier verwendete standardisierte Einbürgerungsquote widerspiegelt die theoretische Zahl der Einbürgerungen pro 100 Ausländerinnen und Ausländern (mit einer B- oder C-Bewilligung) pro Jahr, wenn alle untersuchten Gebietseinheiten an den Beobachtungszeitpunkten eine konstante Verteilung der ausländischen Wohnbevölkerung bezüglich der Aufenthaltsdauer aufweisen würden. Die so berechnete Einbürgerungsquote soll den Vergleich von Einbürgerungshäufigkeiten über die Zeit und zwischen verschiedenen Gebietseinheiten ermöglichen. Eine Einbürgerung steht all jenen ausländischen Personen offen, welche die gesetzlichen Anforderungen auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene erfüllen sowie die Motivation haben, die Schweizer Staatsangehörigkeit zu erlangen. Die Gesetzgebung sieht u.a. vor, dass ausländische Personen erst ab einer bestimmten Aufenthaltsdauer und erfolgreicher Integration in die hiesigen Verhältnisse eine Einbürgerung beantragen können. Vor diesem Hintergrund ist die Wahrscheinlichkeit von Einbürgerungen in hohem Mass davon abhängig, ob die Bevölkerung mit ausländischer Staatsbürgerschaft diese Anforderungen erfüllt. Grosse Unterschiede im Profil der ausländischen Personengruppe im Zeitverlauf oder zwischen Gebietseinheiten verzerren somit den Vergleich der Einbürgerungsquoten. Mittels Standardisierung wird versucht, diese Unterschiede zu neutralisieren. Dazu wird eine sogenannte Standardpopulation ausländischer Personen festgelegt, nach der die effektiven Populationen gewichtet werden. Von der Fachstelle für Statistik durchgeführte Analysen haben gezeigt, dass die bedeutsamsten Unterschiede bei der Aufenthaltsdauer der ausländischen Personen bestehen. Es wurde deshalb eine Standardpopulation gebildet, die aus der gesamtschweizerischen Verteilung der ausländischen Wohnbevölkerung (B- und C-Bewilligte) nach ihrer Aufenthaltsdauer während den Jahren 2006-2015 besteht. Auf die Aufnahme zusätzlicher Merkmale wie Alter oder Staatsangehörigkeit wurde auch deshalb verzichtet, weil die Fallzahlen zu klein werden und interkantonale Vergleiche nur noch beschränkt möglich sind. 

 

Nächste Aktualisierung bis spätestens: 31.1.2019

Verantwortlich für den Inhalt

Fachstelle für Statistik Kanton St. Gallen

Personalfoto
Ansprechperson: M.A. Andrea Jaberg
Funktion: Wissenschaftliche Mitarbeiterin
 

Adresse: Davidstrasse 35
9001 St. Gallen
Telefon: 058 229 21 91

Servicespalte