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Indikatoren Bevölkerungsbewegungen: standardisierte Einbürgerungsquote

Kommentar

Unterdurchschnittliche Einbürgerungsquoten im Kanton St.Gallen

 

Im Zeitraum 2014 bis 2017 wurden schweizweit 158'826 Einbürgerungen im ordentlichen und erleichterten Verfahren vollzogen. Die standardisierte Einbürgerungsquote gibt den um unterschiedliche Aufenthaltsdauern der ausländischen Wohnbevölkerung (B- und C-Bewilligungen) bereinigten Anteil der eingebürgerten Personen an der ausländischen Wohnbevölkerung wieder. Die Quote zeigt, dass die Kantone Genf und Wallis mit jährlich durchschnittlich 3.0 bzw. 2.7 Einbürgerungen pro 100 Personen die meisten Einbürgerungen vornehmen, gefolgt von den Kantonen Waadt und Neuenburg (2.6%). St.Gallen, mit jährlich durchschnittlich 1.6 Einbürgerungen pro 100 Personen sowie die Mehrheit der anderen Ostschweizer Kantone befinden sich am unteren Ende der Skala. Das Verhältnis zwischen dem Kanton mit der höchsten (Kanton Genf) und jenem mit der tiefsten standardisierten Einbürgerungsquote (Kanton Glarus) beträgt etwas mehr als drei zu eins.
Bei den einzeln ausgewiesenen Staatsangehörigkeiten fallen die italienischen Staatsangehörigen durch ihre insgesamt tiefe Einbürgerungsquote auf: Mit schweizweit jährlich 1.5 Einbürgerungen pro 100 Personen, lassen sich italienische Staatsangehörige am seltensten einbürgern. Personen aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens (Serbien, Montenegro und Kosovo) lassen sich mit jährlich 2.6% deutlich häufiger einbürgern.
Auf Kantonsebene sind die relativen Unterschiede bei den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens jedoch verhältnismässig gross. Im Kanton Genf werden mit jährlich 4.5% fünfmal mehr Einbürgerungen vorgenommen als im Kanton Schwyz (0.9%). Der Kanton St.Gallen hat im Untersuchungszeitraum jährlich 2.0% der ex-jugoslawischen Wohnbevölkerung eingebürgert und liegt damit unter dem Schweizer Durchschnitt von 2.6% und am unteren Ende der Skala. Ebenfalls grosse relative Unterschiede sind bei den italienischen Staatsangehörigen auszumachen: Im Wallis erwarben zwischen 2014 und 2017 jährlich 2.4% der italienischen Staatsangehörigen die Schweizer Staatsangehörigkeit. Dies sind dreimal mehr als im Kanton Schwyz, wo jährlich lediglich 0.8% der italienischen Staatsangehörigen eingebürgert wurden. Im Kanton St.Gallen ist die Einbürgerungsquote italienischer Staatsangehöriger mit 1.2% ebenfalls unterdurchschnittlich. Die geringsten relativen Unterschiede sind bei den deutschen Staatsangehörigen zu finden: Im Kanton Zürich, mit einer Einbürgerungsquote von jährlich 3.3%, werden dennoch mehr als doppelt so viele Deutsche eingebürgert wie im Kanton Uri (1.3%). Im Kanton St.Gallen beläuft sich die Einbürgerungsquote der Deutschen auf jährlich 2% und liegt damit um 0.5 Prozentpunkte unter dem Schweizer Durchschnitt.


Die Gründe für die unterschiedlich hohen Einbürgerungsquoten können einerseits im Einbürgerungswillen der ausländischen Personen liegen, andererseits aber auch in den unterschiedlich strengen Einbürgerungsanforderungen der einzelnen Kantone. Der Kanton St.Gallen verfügt beispielsweise über relativ strenge Rechtsgrundlagen im Bereich der Einbürgerungen. Er setzt unter anderem eine Wohnsitzdauer von mindestens acht Jahren und, mit Ausnahme der Besonderen Einbürgerung, eine Niederlassungsbewilligung (C-Bewilligung) voraus.

Bedeutung des Indikators

Bedeutung des Indikators

Für in der Schweiz lebende Ausländerinnen und Ausländer stellt die Einbürgerung ein wichtiger Integrationsschritt dar. Wer eingebürgert ist, verfügt über alle staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten sowie politischen Partizipationsmöglichkeiten auf allen Staatsebenen. In der standardisierten Einbürgerungsquote widerspiegeln sich einerseits die Integrationsbereitschaft der ausländischen Bevölkerung, andererseits die unterschiedlich strengen Einbürgerungsvoraussetzungen der Kantone und Gemeinden.

Berechnung des Indikators

Berechnung des Indikators

Die hier verwendete standardisierte Einbürgerungsquote widerspiegelt die theoretische Zahl der Einbürgerungen pro 100 Ausländerinnen und Ausländern (mit einer B- oder C-Bewilligung) pro Jahr, wenn alle untersuchten Gebietseinheiten an den Beobachtungszeitpunkten eine konstante Verteilung der ausländischen Wohnbevölkerung bezüglich der Aufenthaltsdauer aufweisen würden. Die so berechnete Einbürgerungsquote soll den Vergleich von Einbürgerungshäufigkeiten über die Zeit und zwischen verschiedenen Gebietseinheiten ermöglichen. Eine Einbürgerung steht all jenen ausländischen Personen offen, welche die gesetzlichen Anforderungen auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene erfüllen sowie die Motivation haben, die Schweizer Staatsangehörigkeit zu erlangen. Die Gesetzgebung sieht u.a. vor, dass ausländische Personen erst ab einer bestimmten Aufenthaltsdauer und erfolgreicher Integration in die hiesigen Verhältnisse eine Einbürgerung beantragen können. Vor diesem Hintergrund ist die Wahrscheinlichkeit von Einbürgerungen in hohem Mass davon abhängig, ob die Bevölkerung mit ausländischer Staatsbürgerschaft diese Anforderungen erfüllt. Grosse Unterschiede im Profil der ausländischen Personengruppe im Zeitverlauf oder zwischen Gebietseinheiten verzerren somit den Vergleich der Einbürgerungsquoten. Mittels Standardisierung wird versucht, diese Unterschiede zu neutralisieren. Dazu wird eine sogenannte Standardpopulation ausländischer Personen festgelegt, nach der die effektiven Populationen gewichtet werden. Von der Fachstelle für Statistik durchgeführte Analysen haben gezeigt, dass die bedeutsamsten Unterschiede bei der Aufenthaltsdauer der ausländischen Personen bestehen. Es wurde deshalb eine Standardpopulation gebildet, die aus der gesamtschweizerischen Verteilung der ausländischen Wohnbevölkerung (B- und C-Bewilligte) nach ihrer Aufenthaltsdauer während den Jahren 2006-2015 besteht. Auf die Aufnahme zusätzlicher Merkmale wie Alter oder Staatsangehörigkeit wurde auch deshalb verzichtet, weil die Fallzahlen zu klein werden und interkantonale Vergleiche nur noch beschränkt möglich sind. 

 

Nächste Aktualisierung bis spätestens: 31.1.2019

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