Accesskeys

Indikatoren Bevölkerungsbewegungen: Einbürgerungen

Kommentar

Die rohe Einbürgerungsziffer, die den Anteil der pro Jahr eingebürgerten Personen an der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung wiedergibt, hat im Kanton St.Gallen in den 1980er Jahren kontinuierlich von 1.5% auf 0.7% abgenommen. Hauptgrund war die rückläufige Zahl an Einbürgerungen im Zusammenspiel mit einer leichten Zunahme der ausländischen Wohnbevölkerung. Zwischen 1991 und 2007 hat die Zahl der Einbürgerung stetig zugenommen und die Einbürgerungsziffer ist bis auf 2.7% angestiegen. Die Zunahme der Einbürgerungen in dieser Zeitspanne ist zum Teil durch die Revision des Bürgerrechtsgesetzes von 1992 zu erklären, welche beispielsweise Doppelbürgerschaften neu uneingeschränkt zuliess. Seit 2008 ist bei den Einbürgerungen (rohe Einbürgerungsziffer) eine rückläufige Tendenz erkennbar. Im Jahr 2017 betrug die Einbürgerungsziffer noch 1.7% und lag somit nur leicht über dem Wert von 1981. Die Zahl der Einbürgerungen hat sich seither zwar beinahe verdreifacht, gleichzeitig ist aber auch die Zahl der ausländischen ständigen Wohnbevölkerung um mehr als das Doppelte angestiegen. 

Bedeutung des Indikators

Die rohe Einbürgerungsziffer zeigt die Intensität der politischen Integration der ausländischen Wohnbevölkerung an. Wer eingebürgert ist, verfügt über alle staatsbürgerlichen Rechte und politischen Partizipationsmöglichkeiten. Darin zeigt sich einerseits eine Integrationsbereitschaft, da ein gewisses Ausmass an Identifikation mit dem Aufnahmeland eine anzunehmende Voraussetzung für eine Einbürgerung ist. Andererseits widerspiegelt sich in der Einbürgerungsziffer auch die Einbürgerungspraxis des Aufnahmelandes. Will man jedoch die Ziffern nach Gemeinden, Kantonen oder nach Staatsangehörigkeiten vergleichen, um etwas über die Einbürgerungspraxis (oder das Einbürgerungsverhalten) zu erfahren, ist die rohe Einbürgerungsziffer nur bedingt geeignet. Die für eine Einbürgerung in Frage kommenden Personengruppen können sich nämlich in verschiedenen Gebietseinheiten bezüglich soziodemographischer Merkmale oder der Aufenthaltsdauer massgeblich unterscheiden.
Die Einbürgerung ist in der Schweiz politisch geregelt. Für die ordentliche Einbürgerung sind nach dem Bürgerrechtsgesetz (BüG) sowohl der Bund wie auch die Kantone und die Gemeinden zuständig. Von Seiten des Bundes sind einige Minimalbedingungen (insbesondere Wohnsitzdauer) vorgegeben. Sind die Bundesanforderungen erfüllt, liegt der letztendliche Entscheid bei den Kantonen und den Gemeinden. Diese verfügen über unterschiedliche Einbürgerungsvoraussetzungen (zum Teil politischer Entscheid an Gemeindeversammlung). Die erleichterte Einbürgerung unterliegt vollständig den Kompetenzen des Bundes. Die Zahl der Einbürgerungen in einer Gemeinde ist somit abhängig von der Zahl an einbürgerungsfähigen und -willigen AusländerInnen sowie der Einbürgerungspraxis der Gemeinde.

Berechnung des Indikators

1Berechnet wird die rohe Einbürgerungsziffer indem die Anzahl Personen, die im Jahr x das Schweizer Bürgerrecht erworben haben, durch die Anzahl Aufenthalterinnen und Aufenthalter sowie Niedergelassener mit ausländischer Staatsangehörigkeit am 1.1. des Jahres x geteilt wird.
Als Einbürgerung gilt der Erwerb des Schweizer Bürgerrechts durch eine Person, welche dieses Bürgerrecht noch nicht oder nicht mehr besitzt. Das Schweizer Recht kennt die ordentliche und die erleichterte Einbürgerungen sowie die Wiedereinbürgerung. Bei der ordentlichen Einbürgerung muss die Person, die sich um das Schweizer Bürgerrecht bewirbt, ein Gesuch beim Kanton oder bei der Gemeinde einreichen und beim Bund eine Einbürgerungsbewilligung einholen. Für ausländische Ehepartner von Schweizer Staatsangehörigen kommt unter bestimmten Voraussetzungen eine erleichterte Einbürgerung in Frage.  Für die Wiedereinbürgerung von Personen, die ihr Schweizer Bürgerrecht durch Verwirkung, Heirat oder Entlassung aus dem Schweizer Bürgerrecht verloren haben, ist der Bund zuständig. 

 

Nächste Aktualisierung bis spätestens: 31.8.2019

Verantwortlich für den Inhalt

Fachstelle für Statistik Kanton St. Gallen

Personalfoto
Ansprechperson: M.A. Andrea Jaberg
Funktion: Wissenschaftliche Mitarbeiterin
 

Adresse: Davidstrasse 35
9001 St. Gallen
Telefon: 058 229 21 91

Servicespalte